Natürlich Natur
Natürlich Natur

Ursprünglich ist der Liebstöckel in Südwesteuropa beheimatet. In Mitteleuropa gedeiht er jedoch auch prächtig und wurde deshalb schon vor Jahrhunderten in mitteleuropäischen Gärten angebaut. Inzwischen trifft man den Liebstöckel auch hier und da verwildert an.

In der Küche ist der Liebstöckel als Maggikraut bekannt und würzt mit seinen Blättern Kräuterquark und Suppen aller Art.

 

„Maggi-Kraut“

Wem Liebstöckel (Levisticum officiale KOCH) nichts sagt, wird bei „Maggi-Kraut“ verständig mit dem Kopf nicken. Das Gewürz wird wegen seiner Geschmacksähnlichkeit mit der weltbekannten, schweizer Universalsauce in Verbindung gebracht. Fälschlicherweise, denn es hat nichts mit ihr zu tun. Bei der Herstellung der Würze wird kein Liebstöckel verwendet, noch nicht einmal als Aroma. Der Erfinder Julius Maggi entwickelte die Würze seiner Sauce aus einem Gärverfahren. Vielleicht gelang es findigen Werbestrategen, Liebstöckel in Maggi-Kraut umzubenennen - nachzulesen ist es nirgends. Fest steht jedoch: Das Gewürz gibt es länger bei uns als die Maggi-Sauce. Die wenigen Gemeinsamkeiten bestehen in der Geschmacksintensität und Würzfülle, die beide entwickeln: Bei der Maggi-Sauce reichen ein paar Tropfen, beim Liebstöckel zwei kleinere Blätter, um eine ganze Suppe zu würzen.

 

Eine unverkennbare Pflanze

Genauso wiedererkennbar wie der Geschmack, sind der Geruch und auch die Pflanze selbst. Wer sich Liebstöckel einmal richtig angesehen hat, ein Blatt geschmeckt oder gerochen hat, wird die kräftige Pflanze immer wiedererkennen. Liebstöckel gehört zur Familie der Doldengewächse (Umbellifere) und wächst z. B. in vielen Bauerngärten. Die mehrjährige Staude mit charakteristischem Aussehen kann bis zu zwei Metern hoch werden. Aus den langen, kräftigen und fleischigen Pfahlwurzeln entwickeln sich aufrechte, hohle Stängel, die sich stark verzweigen. Die Blätter sind groß, dunkelgrün und zwei- bis dreifach gefiedert. Die Pflanze erinnert mit ihren ledrig-fleischigen, gezahnten Blättern an einen übergroßen Sellerie - und riecht auch so. Die mittelgroßen Dolden sind 8- bis 20-strahlig mit kleinen, blassgelben Blüten. Blütezeit ist von Juli bis September, danach entwickelt Liebstöckel längsgerippte Doppelspaltfrüchte. Die ausdauernde Pflanze ist mit anderen unverträglich und braucht deshalb einen gesonderten Platz im Garten. Ihr Umsetzen nach spätestens drei Jahren oder Vermehrung durch Wurzelteilung hält die Pflanze jung, und wird sie weiter üppig wachsen lassen.

 

In der Medizin werden Wurzel und Samen des Liebstöckels für den Harnapparat, Verdauung und weibliche Fortpflanzungsorgane eingesetzt.

Wenn die mehrjährige Pflanze im Garten erstmal einen Lieblingsplatz gefunden hat kommt sie jedes Jahr wieder und wird so gross, dass eine normale Familie ihren ganzjährigen Liebstöckelbedarf für Küche und Hausapotheke damit decken kann.

 

Medizinische Verwendung

Die Wurzel des Liebstöckel wird zwar auch als Suppengemüse gebraucht, von Bedeutung ist jedoch ihre medizinische Verwendung. Die Wurzel enthält ätherisches Öl mit den Hauptkomponenten Alkylphtaliden (70 Prozent, Geruchsträger) und E- und Z- Ligustilid, die vorwiegend für die krampflösende Wirkung verantwortlich sein sollen. Weitere Wirkstoffe sind unter anderem alpha- und beta-Pinen und die Furanocumarine Bergapten und Aptein. Liebstöckel hat krampflösende Wirkungen, z. B. bei Blähungen und Aufstoßen. Auch sind Verdauungsbeschwerden wie Sodbrennen oder Völlegefühl durch frisch aufgebrühten Liebstöckelwurzel-Tee zu bessern. Schliesslich haben die Wurzeln noch antimikrobielle und harntreibende Wirkung. Weshalb Liebstöckel-Wurzeltee bei der Behandlung entzündlicher Erkrankungen der ableitenden Harnwege (v. a. der Blase) oder zur Harnwegs-Durchspülung (Vorbeugung von Nierengriess) sinnvoll sein kann. Kontraindikationen: Bei akuten entzündlichen Erkrankungen des Nierenparenchyms (Glomerulonephritis) oder eingeschränkter Nierenfunktion darf der Tee nicht verwendet werden, auch nicht bei Ödemen infolge eingeschränkter Herz- oder Nierenfunktion.

 

Steckbrief

Achtung! Nicht in der Schwangerschaft anwenden.

anregend,
blutstillend,
harntreibend,
krampflösend,
schleimlösend,
schweisstreibend,
Appetitlosigkeit,
Abmagerung,
Blasensteine,

Blasenentzündung,
Nierenleiden,
Nierensteine,
Blähungen,
Magenbeschwerden,
Mangel an Magensäure,
Verdauungsschwäche,
Verstopfung,
Stoffwechsel anregend,

Gicht,
Rheuma,
Wassersucht (Ödeme),
Menstruations fördernd,
Menstruationskrämpfe,
Mittelohrentzündung,
Halsentzündung,
Kehlkopfentzündung,
Mundschleimhautentzündung,
Bronchitis,
Husten,
Herzschwäche,
Wassersucht,
Ödeme,
Nervenschwäche,
Nervosität,
Ekzeme,
Furunkel,
eitrige Wunden,
Gewürz,

 

wissenschaftlicher Name:Levisticum officinale

Pflanzenfamilie:Doldenblütler = Apiaceae

englischer Name:Lovage

volkstümliche Namen:Badkraut, Gebärmutterkraut, Gichtstock, Leibstöckle, Leppstock, Levestock, Liebesröhre, Liebrohr, Liebstengel, Lobstock, Lübstock, Lustecken, Luststöckel, Maggikraut, Nervenkräutel, Rübestöckel, Saukraut, Sauerkrautwurz, Schluckwehrohr, Wasserkräutel

Verwendete Pflanzenteile: Blätter als Gewürz,
Wurzel und Samen in der Heilkunde

Inhaltsstoffe: Ätherisches Öl, Angelikasäure, Apiol, Apfelsäure, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Fette, Gummi, Harze, Invertzucker, Kampfer, Carvon, Isovalerinsäure, Cumarine, Myristicin, Umbelliferon

Sammelzeit:

Blätter: Frühjahr,
Wurzel: Zeitiges Frühjahr oder Spätherbst,
Samen: Spätsommer

Rühlemanns

Rühlemanns Kräuter und Duftpflanzen